Gute Flüchtlinge – schlechte Flüchtlinge

„Zwei-Klassen-Flüchtlinge“

Von Mirjam Silber

Das Video (siehe unten) nutzt zwar Stereotypien – und das in ziemlich plakativer Weise, doch trifft es die Problematik punktgenau: Eurozentrismus in alter Manier bringt ebenso alten Rassismus in neuer Form zutage (und chauvinistischer Sexismus kommt auch nicht zu kurz).

Entgegen der UN-Menschenrechtskonvention, nach der alle Menschen gleich sind, wird gesellschaftspolitisch ein Zweiklassensystem an Geflüchteten als selbstverständliche „Normalität“ dargestellt und praktiziert: Ungleichbehandlung von Geflüchteten aus der Ukraine und Schwarzen Menschen sowie People of Color mit Fluchthintergrund. Da werden Menschen, die allesamt vor schrecklichen, verheerenden Kriegen geflüchtet sind, in unterschiedliche Klassen geteilt: die „europäischen“ Geflüchteten bilden die „first class“, Schwarze Menschen und People of Color jedoch gelten als die „underdogs“! Apartheid pur! Rassismus pur!

Hier im Landkreis Barnim werden die meisten Schwarzen Menschen und People of Color in langjährige Duldungsketten gezwängt: ohne Recht auf Arbeit, ohne Recht auf eine eigene Wohnung (abseits jeder Infrastruktur werden sie in Flüchtlingswohnheimen völlig isoliert „aufbewahrt“!), nicht einmal Deutschkurse werden ihnen vergönnt … mit solcherart behördlich „verordneter“ Verweigerung der Integration nimmt man diesen Menschen ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben in einer angeblich so aufgeklärten und offenen Gesellschaft – das ist behördlicher/institutioneller Rassismus.

Und warum? Weil Schwarze Menschen und People of Color – so heißt es – nicht „europäisch“ aussehen, nicht „europäisch“ sozialisiert sind (echt?)! Ukainer*innen hingegen gelten als „europäisch“, deshalb sind ukrainische Geflüchtete die „besseren Flüchtlinge“ und werden bevorzugt behandelt: Nu, kaum zu glauben, aber auf einmal gibt es all die Integrationslösungen, um die Schwarze Menschen und People of Color schon seit unzähligen Jahren vergeblich kämpfen! Bei diesem Zweiklassensystem, welches – im Namen der Christlichkeit – Ungleichheiten fördert anstatt aufzulösen (und das im Zeitalter von Globalität, Diversität und Plurikulturalität!), wird ganz gern verschwiegen, dass viele „mit der europäischen Kultur kompatible“ ukrainische Geflüchtete jüdischen Glaubens sind, denn dies passt dann wieder doch nicht so wirklich in das vielzitierte „christliche Europäertum“ … Antisemitismus ist zwar im Allgemeinen nicht mehr salonfähig, aber immer noch massiv präsent (wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann).

So gesehen würde ich das Epitheton „sapiens“ der Gattung „Homo“ absprechen.

Copyright © Mirjam Silber, März 2022

Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge

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